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Der 107er
Der 107er

1971 erscheint die neue Komfort-Sportwagenbaureihe R 107 / C 107 auf der Bildfläche: 18 Jahre lang soll sie auf dem Markt bleiben und gleich mehrere Motorengenerationen miterleben. Nie zuvor unterschied sich eine Roadster-Baureihe so stark von ihrem Vorgänger - quasi als Vorbote der ein Jahr später präsentierten grossen Limousinenbaureihe W 116 nimmt der neue SL einige seiner technischen und gestalterischen Innovationen weg.

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Der "Urvater"

Wenngleich sich die überaus bewährte SL-Baureihe R 113 nach wie vor recht gut verkauft, wird es Anfang der 70er Jahre doch langsam Zeit für einen Nachfolger. Vor allem das Fahrwerk des alten Roadsters - es stammt prinzipiell noch aus der 1959 präsentierten "Heckflossen" -Limousine - kann trotz wiederholter Nachbesserungen nicht mehr so recht als zeitgemäss gelten. In Kombination mit dem kurzen SL-Radstand sorgt die alte Pendelachse für ein in Grenzsituationen eher kritisches Fahrverhalten. Zudem passte der zwei Jahre zuvor (in der 109er Limousine) präsentierte neue V8 Motor nicht in den schmalen Bug.

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Der Vorgänger R 113 (Pagode)

Die neue SL-Baureihe ist hingegen von Anfang an auf den Einbau eben dieses prestigeträchtigen und anfangs ausschliesslich verwendeten - Triebwerks hin konzipiert. Es passt gut in das stark komfortbetonte Gesamtbild des neuen Roadsters. Der neue SL rückt noch weiter als die bisherige Pagoden-Baureihe vom einstigen knallharten Sportwagen ab; satt dessen ist er ein repräsentativ - komfortables Fahrzeug geworden, eher geeignet für beschauliche Überlandsausflüge als für schnelle Rundenzeiten auf der Rennstrecke. Dementsprechend straft der neue SL allerdings die ursprüngliche Bedeutung dieses Buchstabencodes Lügen: Von Super Leicht kann angesichts der mindestens 1,5 Tonnen Leergewicht keine Rede mehr sein; vielmehr könnte man beim R 107 als schwer und luftig lesen. Anders als beim Vorgänger gibt vom 107 Roadster auch eine familien-taugliche” Langversion mit festem Stahldach, den SLC. Sonst wurden die grossen Mercedes-Coupes immer auf Limousinen-, nie aber auf Roadster-Basis gebaut. Aufgrund der langen Bauzeit erlebt die 107er Baureihe gleich mehrere Motorenwechsel, was für eine ungewöhnliche grosse Vielfalt unterschiedlicher Triebwerke sorgt. Erforderlich wurden die Motorenwechsel nahezu durchgängig aufgrund der während der Bauzeit des R 107 / C 107 immer weiter verschärften Abgasgesetzgebung: Zumindest die Roadster-Modelle erleben ja sogar noch die allgemeine Einführung des G-Kat Motors im Jahr 1985 mit.

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R 107 ab MOPF ´85


Karosserie

Selten hat ein neuer Mercedes die Wogen der Emotion so hoch schlagen lassen wie der im Frühjahr 1971 präsentierte neue 350 SL. Die Reaktion von Publikum und Fachwelt reichen von unverholender Begeisterung bis zur schroffen Ablehnung Schon das Gesicht weicht eben so stark ab von allem, was man sonst von Mercedes-Pkw gewohnt war: Horizontale Breitbandscheinwerfer statt Hochformatlichter rahmen den traditionellen, querformatigen SL-Grill. Die Seitenansicht folgt, zumindest in Ansätzen, der damaligen Mode der Keilform mit nach hinten ansteigende Gürtellinie. Ausser einem hohen, von manchen Zeitgenossen als bullig, von manchen als klotzig empfundenen Heck, bedingt durch die recht grossen seitlichen Blechflächen. Um ihnen die Klobigkeit zu nehmen, werden sie mit allerlei Falzen, Knicken und Leisten untergliedert, die Verfechter schlichter Eleganz als geschmacklos empfinden.

Fahrwerk

Dieses moderne Fahrwerk verleiht dem neuen SL trotz seines kurzen Radstandes von 2460 mm ein erheblich harmonischeres, einfacher beherrschbares Fahrverhalten als das des allerdings auch noch kürzeren Vorgängers R 113. Durch die präzisere Radführung kommt der R 107 auch mit etwas weniger straffen Stossdämpfer aus, was ihm einen sehr respektablen Federungskomfort beschert. Nichts zu tadeln gibt es auch an den Bremsen. An beiden Achsen gibt es Scheibenbremsen, die dank der durchlöcherten und - im Falle der Leichtmetallfelgen - mit Kühlluftschaufeln versehenen Räder gut gekühlt werden! Mercedes bezeichnet das damals als “Turbokühlung” an der Vorderachse sorgt die Verwendung innenbelüfteter Scheiben für eine weitere Verbesserung der Wärmeabfuhr und damit der Standfestigkeit.

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R 107 ab MOPF ´85

Die Felgen

Serienmässig die üblichen Stahlscheibenräder, gegen Aufpreis bis 1985 die beliebten Fuchs-Leichtmetallräder sind 6,5 statt 5,5 Zoll breit und serienmässig mit für diese Zeit üppigen 205/70er Gürtelreifen bestückt; nur die später nachgeschobenen Sechszylinder - Modelle begnügen sich mit 195/70er Pneus.

Motoren

Ein Jahr nach der Vorstellung des 350 SL wird die 4,5 Liter Version des gleichen Motors gezeigt; sie hört auf das Kürzel MH7, das damit bstückte Auto heisst logischerweise 450 SL. Seine Kraft - 378 Nm bzw. 225 PS. Der grössere Achtzylinder verfügt über eine butterweiche Dreistufen - Wandlerautomatik die an die Hinterachse weitergegeben wird. Der “kleine” 350er hat eine kürzere Achsübersetzung, serienmässig ein Viergang-Schaltgetriebe, ein Automatikgetriebe ist nur gegen Aufpreis erhältlich. Mit dem neuen DOHC - Sechszylinder namens M 110, bereits verwendet in den Limosinen des Hauses, entsteht der 280 SL. Das sportliche Triebwerk bringt mit seinen 185 PS praktisch die gleichen Fahrleistungen wie der 350er und macht diesem eine Reihe von Käufern abspenstig.

Marktsituation

“Die Typen der früheren Baujahre im Zustand 4 sind etwa ab 5000 Euro zu haben, erstklassige Exemplare aus den 70ern können über 18000 Euro kosten. Der 500 SL der Jahre 1980 - 1985 wird zwischen rund 7000 Euro und knapp über 20000 Euro gehandelt. Die SLC sind billiger zu haben: Hier reichen die Preise von rund 3000 Euro bis 15000 Euro. Kostspieliger sind nur der 450 SLC 5.0 der Jahre 1978 - 1980 und der 500 SLC Baujahr 1980/81, die im makellosem Zustand bis zu 20000 Euro kosten.”

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Der Nachfolger R 129



AMG

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