- Beiträge: 1532
- Dank erhalten: 12
Der perfekte SL
- Roadstolett
- Autor
- Offline
- Gebannt
-
Weniger
Mehr
10 Jahre 9 Monate her #142618
von Roadstolett
Der perfekte SL wurde erstellt von Roadstolett
Ich möchte gerne strambacher Franks kreativen Moment aufgreifen. Vermutlich ohne lange darüber nachzudenken - die Gefahr, dass er die Idee wieder vergessen hätte, wäre womöglich zu groß gewesen - hielt er seinen Geistesblitz fest und schrieb:
„Vielleicht mag ja der Wini einen eigenen Thread zum perfekten SL aufmachen und nicht hier endlos vom eigentlichen Thema abschweifen. Das wäre ja mal etwas....
Gruß
Frank „
Ich gehe davon aus, Frank, dass du mit Wini mich, den allseits geschätzten Doppel-n Winni gemeint hast. Ganz nach den Statuten „Sternzeit 107 bietet Dir ein aktives Forum mit netter Atmosphäre … usw. bla bla bla“ will ich meinen vielfach ungebetenen Beitrag dazu leisten. Ich bedanke mich für deinen konstruktiven Vorschlag und für dein kameradschaftliches Verhalten, mich als Sternzeit 107-Freund und Gleichgesinntem an deinem Konzept teilhaben zu lassen. Sollte ich an irgendeiner Stelle von einer nicht zutreffenden Annahme ausgehen, bin ich hier ja in bester Gesellschaft.
Dann lass uns mal direkt, schnell, ohne die hier nur allzu oft vorherrschenden langen Umschweife zum Thema kommen. Aber mal 1 forweg, den perfeckten SL giebt es nicht. Um der Frage dennoch zielgerichtet nachzugehen, bietet sich eine ABC-Annaliese an.
Ja dann würde ich mal auf gut bayrisch sagen, let’s start – wir müssen ja nicht warten, bis FrankEinsNullSieben von der Tanke zurück ist. Vielleicht kreuzt Würstchenbuden-Willi auf seiner Weihnachts-SALE-Tour noch dem seinen nicht datenkartenkonformen Vollchromstern und dann dauert es wieder endlos, bis sich die beiden Dampfplauderer über weltpolitischen Themen, wie Mineral- oder Synthetik, ausgelebt haben.
Also: Da jeder seinen SL für den perfektesten tollsten besten 107er hält – nicht weil er das ist, sondern weil er ihn hat - könnten die Wege, die zur Grotte oder im Einzelfall zur Perle geführt haben, die Antwort auf die Frage liefern: Welcher ist der perfekte SL? Keine Frage, ich könnte jetzt schreiben meiner und ich hätte damit recht. Aber es sollen ja auch noch Eigner aus den hinteren Reihen zu Wort kommen.
Die ABC-Analyse soll in dem Zusammenhang die Motivation hinterfragen, die letztlich zum Kauf, zur Schenkung, zum Erbe oder zum Diebstahl des eigenen, mehr oder doch eher weniger perfekten SL geführt hat. Ganz nach dem Motto „Betroffene zu Beteiligten machen“ – vordergründig wirkt das äußerst sozialverträglich – möchte ich jeden kundigen und engagierten Sternzeit 107-Freund einladen, sich an der Gestaltung der Analyse zu beteiligen. Nur durch eine neutrale Herangehensweise wird es möglich sein, dass sich am Ende der perfekte SL aus 10704210 empirisch gewonnenen Daten herauskristallisiert. Mann darf gespannt sein. Frau auch.
Die Umfrage ist absolut anonym. Nicht weil das IT-technisch so abgesichert wäre, sondern weil es aus datenschutzrechtlichen Gründen so sein muss.
Ich habe mal ein paar Vorschläge hingeworfen, die aufzeigen sollen, wie der typische SL-Eigner zu seinem Traum-SL gekommen sein könnte (die meisten träumen ja heute noch davon, sie hätten einen Traumzustand unterm morschen Baumarkt-Carport).
Also, es geht los. Wo findest du dich wieder? Und bitte die Auswahl unbedingt ergänzen, denn diese kann in dieser frühen Konzeptphase nicht den Anspruch an Vollkommenheit erfüllen, wie diese die jeweils eigene Grotte oberflächlich zu erfüllen scheint.
Welcher SL-Typ bist du? Lies einfach, wo du dich wiederfindest und du weißt, zu welcher 107er-Fraktion du gehören möchtest. Sei zurückhaltend, bleib höflich und verhalte dich anständig, wenn du irgendwann irgendwo irgendwie dazugehören möchtest.
Typ A - A wie Ami:
Ich gehe gerne mit meinen spitzen Cowboystiefeln ins ungemachte Bett. Generell mag ich alles eine Nummer größer. Deshalb ist für mich ein 107er erst dann ein 107er, wenn ich mich zur Zigarettenpause mit meinem jedes Jahr breiter werdenden Hintern auf den Stoßfänger setzen kann. Mein Talent, ein Auto mit schalten und kuppeln zu bewegen, brachte meinen Fahrlehrer mehrfach zur Verzweiflung und den Fahrschulwagen für Wochen in die Werkstatt. Deshalb rechtfertige ich die Pflicht-Automatik mit dem Cruiser-Faktor. Damit spielt es dann auch keine Rolle mehr, dass vom an sich brauchbaren 380 SL dann in der US-Ausführung nichts mehr zu spüren ist. Bei der Innenausstattung bin ich in meiner Wahl flexibel und offen. Schließlich ist es unerheblich, welche Farbe Leder und Kunststoff hatten, bevor sie die kalifornische Sonne zerkrümelt hat. Für mich zählt eine rostfreie Karosserie mehr als die vier Kilo Spachtel unter dem blasigen Lack, der mir von der verbeulten Motorhaube über mein rissiges Cockpit entgegenblitzt.
Typ B - B wie Blinker:
Motorisierung, Getriebe, ob richtiger SL bis 09/85 oder danach, das hat für mich alles keine sonderliche Bedeutung. Am Herzen liegt mir dagegen die preiswerte Kopie meines Holzlenkrads Narri Glassico. Der Durchmesser passt perfekt, so dass ich beim lenken den Blinkerschalter mit ausgestrecktem kleinen Finger vollsynchron mit der Drehung des Lenkrads mitschleppen kann. Spießige Ankündigungsblinker, die vor einem Fahrstreifenwechsel die 21-Watt Lampen mindestens drei Mal bestromen, bezeichnen mich regelmäßig als Bestätigungsblinker. Ich fühle mich damit irgendwo zwischen beleidigt und geehrt. Zwar kann keiner der mich oft und plötzlich im Zentimeterabstand umkreisenden Verkehrsteilnehmer auf meine Intuitiv-Spontan-Fahrmanöver mehr reagieren, dennoch hält man mir zugute, dass ich mich von der jungen, komplett veräppelten Smartphonegeneration, bei denen die Blinkerschalterkontakte wegen Nichtgebrauch vollständig aboxidiert sind, merklich abhebe.
Typ C - C wie Coupédach:
Mir geht die schwachsinnige Diskussion um die begehrten Roadster und um den Preisverfall der Ersatzteilspender-Cabrios dermaßen auf den Economy-Zeiger, dass ich demonstrativ mein Coupédach aufgesetzt habe. Bei blöden Fragen rechtfertige ich dies gekonnt mit dem sachkundigen Verweis auf die geringere Verwindung der Karosserie. Insgeheim hoffe ich, dass die voll coolen Roadster-Typen durch meine Coleur-Verglasung nicht erspähen, dass mein geliebter SL ausgerechnet mit dieser blöden zweiten Sitzreihe ausgeliefert wurde.
Typ D - D wie DDR:
Ich bin im Osten aufgewachsen und habe von Kindesbeinen an den Umgang mit Mangelwirtschaft gelernt. Wir kannten keine Wegwerfgesellschaft, es wurde erhalten was da war. In Sachen Auto war ich seit jeher fit und hatte meine ölverschmierte Nase überall vorne dran. Ob Trabant, Framo, Schkodda oder die ausgelutschten Westwagen meines Patenonkels Gerry – ich war voll der Chef, wenn er mir alle paar Monate einen seiner abgewrackten angelsächsischen Schnellkomposter vor die schief hängende Haustür stellte. Er gab sich immer großherzig, mein Patenonkel. Dabei wusste ich doch, dass er seine „Geschenke“, wie das Schlitzohr die zumeist auf dem IFA-Abschleppwagen angelieferten Sorgenkinder nannte, im Westen nur gegen Bezahlung hätte entsorgen lassen können. Mein VEB-Gabel-Ringschlüsselsatz, den ich gegen den Cassettenrekorder meiner Schwester eingetauscht hatte, war bei keiner metrischen Schraube wirklich zu gebrauchen. So gesehen war es eine glückliche Fügung, dass diese an den gammeligen Zoll-Schrauben an den von Onkel Gerry übernommenen MK2-, MK7- und E-Type-Kapitalistenschaukeln halbwegs passten. Ich hatte genug von Martins abgetakeltem Aston und ich war fest entschlossen, meinen Erbonkel bei seinem nächsten Entsorgungsversuch mit der Maserati-Ratte zu überfahren. Doch dann kam die Wende und ich kaufte mein erstes wirkliches Auto. Den Mercedes habe ich heute noch, während sich mein in Ehren ergrauter Erbonkel unverbesserlich und zittrig am Volant seines klapprigen Volante festhält.
Typ E - E wie Extras:
Für mich gibt es nur einen perfekten SL und der hat Vollausstattung. Am geilsten finde ich meinen Reiserechner. Zwar fuhr ich in den letzten 15 Jahren nur knapp 300 km und das hätte ich unter Umständen auch ohne mein erotisierendes Hilfsinstrument geschafft, aber das ist für mich nicht die Frage. Es kommt mir nicht darauf an, dass ich am Stammtisch der einzige bin, der die störanfällige Flimmerkiste hat. Was zählt, ist dass die anderen den nicht haben, aber gerne hätten, weil er nicht zu haben ist. Mein SL muss mir Spaß machen und auf diese Weise klappt das.
Typ F - F wie Fähnleinschwenker:
Im R/C 107 SL-Club fühle ich mich wohl behütet und schätze die dort vorherrschende, unantastbare Sachkompetenz. Kritik, dass sich darunter Selbstdarsteller befänden, weise ich entschieden zurück. Dabei blicke ich über meine eingefallenen Schultern und vergewissere mich, ob ich dafür aus den Clubreihen Beifall ernte. Entgegen der etwas trägen Sternzeit 107-Fraktion haben im R/C 107 SL-Club die Gründerväter bereits Jahrzehnte vor den klugschwätzenden Dampfplauderern hier erkannt, dass es den W 107 einerseits als sportlichen Roadster sowie, als 180 Grad Gegenpol zu diesem, für Komfortverwöhnte familientauglich beispielsweise als ABS-gebremstes, klimatisiertes, automatisch schaltendes Teil- oder Vollholz-Cabriolet gibt. Deshalb, so denke ich, sind die beiden völlig unterschiedlichen Ausprägungen eines 107er SL mit R wie Roadster und C wie Cabriolet im Clubnamen R/C 107 SL-Club fest verankert. Toleranz beweist der R/C 107 SL-Club, indem dort auch Coupé-Eigner mit ihrem LWB-107er (Long Wheel Base, wie der Schwabe sagt) herzlich vereinnahmt werden. Die Bezeichnung Club erfreut mich sehr, passt diese doch zu meiner Mitgliedschaft im örtlichen Golf-Club ESS lokal (Elitär statt solitär), wodurch ich mich von der Vereinsmeierei meines Nachbarn Otto, eingebildeter Ersatzreserve-Vorstand im Dackelzüchterverein Rauhpelz, scharf abgrenze. Da ich mich an Fachdiskussionen nicht beteiligen will (_ ) / kann (_), schwenke ich stolz die Clubfahnen und erfreue mich daran, überall neidvolle Blicke auf mein radlaufchromgeschmücktes Cabriolet lenken zu können.
Findest du dich in einer dieser Spezialistengruppen wieder? Wenn nicht, dann bist du vielleicht ein
H, I, J, K, L, M, N, O, P oder Q-Tip?
Oder bist du etwa ein R-Typ?
Typ R - R wie Roadster-Typ:
Du bist ein Kerl aus altem Schrot und Korn. Du machst keinen großen Wind um dich. Du bist ein Roadster-Typ.
Wenn dein Freund Frilly dich fragt, ob du mit ihm einen Roadster kaufen gehst, fragst du nicht wann und wo. Du greifst das Bündel Scheine in deiner Hosentasche, spürst dass es reicht und sagst: Okay. Die 1070 km fährst du mit drei Tankstopps und neun Tassen Togo extra.
Dass der Roadster gut ist, hast du gespürt, nach zwei Minuten gekauft. Du brauchst kein Lackschichtdickenmessgerät. Du läufst einmal um die Kiste, bleibst am Tankdeckel stehen. Ein Blick aufs Blech, zwei nach innen, dann fasst du dem Roadster unter den Rock, reibst Daumen und Zeigefinger zwischen zwei Schweißpunkten. Radausschnitt perfekt, original Werks-Roadster. Metallventile. Passt.
Du setzt dir keine Brille auf und tust so, also ob du das Kleingedruckte im Kaufvertrag verstehen würdest. Für dich zählt das Wort. Ein Händedruck von dir und der andere spürt: Der ist echt. Ein Roadster-Typ.
Du fragst Frilly nicht, wann und wovon und wie er den Roadster bezahlen will. Du siehst den Glanz in seinen Augen und weißt, es passt. Noch in der Nacht zurück, es zieht dich heim. Chantal ist da. Du hast sie nie gefragt, wo sie herkommt. Du wirst sie nicht fragen, wie lange sie bleibt und wohin sie geht. Für dich zählt, dass sie da ist. Sie hat Frilly gefragt, warum du die deine Haustür nie abschließt. Damit keiner einbricht hat er gesagt.
Am anderen Morgen, Chantal schläft noch. Arnie hat angerufen, sein US-Import ist da. Er braucht ein paar Teile, will vorbeikommen. Okay. Dann Arnies Frage: Hast du noch den Vollchromstern? Es ist dein letzter. Du holst ihn von der Wand, weil du weißt, wenn Arnie fragt, dann braucht er ihn. Der Stern sollte deine Altersversorgung sein. Arnie fragt nicht, was du dafür haben willst. Arnie weiß, du bist ein Roadster-Typ.
Du verbringst den Tag mit Chantal. Du magst es, wenn der Fahrtwind ihre langen blonden Haare tanzen lässt. Heute sind Chantals Fingernägel schwarz. Wie deine. Der Nachmittag mit ihr am See hat ihr gut getan. Zuhause Kaffee und Zigaretten. Du bist ein Roadster-Typ. Der Tag war gut. Es ist kurz vor Mitternacht. Dein Telefon… du schaust nicht, wer anruft. Du überlegst nicht, ob du rangehst. Du weißt, dass es einen Grund gibt. Truwi ist dran, den Tränen nahe. "Was gibt’s?"
„Mein Motor… scheiße scheiße scheiße!“
Auf der Kaffeemaschine liegen seit Wochen die Gleitschienen für Truwis 420er, auf dem Kühlschrank der Kettenspanner. Du hast es ihr mehr als drei Mal gesagt. Aber das ist jetzt nicht wichtig. „Wo bist du? Frankreich?? Okay. Nimm dir ein Zimmer. Ich werde da sein, bevor du aufwachst." Frilly kommt mit, hat den Trailer an den Pickup angedockt. Währen du die Spanngurte einlädst, bringt Chantal eine Kühltasche und eine Kanne Kaffee. Sie fragt nicht, wann du zurück sein wirst. Sie weiß, du bist ein Roadster-Typ.
Ja, Freunde. Also so oder so ähnlich. Einfach realistisch bleiben bei euren Schilderungen, das ist sehr wichtig. Also denn… Welches ist der perfekte SL? Und was für ein Typ bist du?
Und immer schön sozialverträglich bleiben.
Winni
[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von : Roadstolett am 15-12-2015 02:52 ][ Diese Nachricht wurde bearbeitet von : Roadstolett am 15-12-2015 03:03 ]
„Vielleicht mag ja der Wini einen eigenen Thread zum perfekten SL aufmachen und nicht hier endlos vom eigentlichen Thema abschweifen. Das wäre ja mal etwas....
Gruß
Frank „
Ich gehe davon aus, Frank, dass du mit Wini mich, den allseits geschätzten Doppel-n Winni gemeint hast. Ganz nach den Statuten „Sternzeit 107 bietet Dir ein aktives Forum mit netter Atmosphäre … usw. bla bla bla“ will ich meinen vielfach ungebetenen Beitrag dazu leisten. Ich bedanke mich für deinen konstruktiven Vorschlag und für dein kameradschaftliches Verhalten, mich als Sternzeit 107-Freund und Gleichgesinntem an deinem Konzept teilhaben zu lassen. Sollte ich an irgendeiner Stelle von einer nicht zutreffenden Annahme ausgehen, bin ich hier ja in bester Gesellschaft.
Dann lass uns mal direkt, schnell, ohne die hier nur allzu oft vorherrschenden langen Umschweife zum Thema kommen. Aber mal 1 forweg, den perfeckten SL giebt es nicht. Um der Frage dennoch zielgerichtet nachzugehen, bietet sich eine ABC-Annaliese an.
Ja dann würde ich mal auf gut bayrisch sagen, let’s start – wir müssen ja nicht warten, bis FrankEinsNullSieben von der Tanke zurück ist. Vielleicht kreuzt Würstchenbuden-Willi auf seiner Weihnachts-SALE-Tour noch dem seinen nicht datenkartenkonformen Vollchromstern und dann dauert es wieder endlos, bis sich die beiden Dampfplauderer über weltpolitischen Themen, wie Mineral- oder Synthetik, ausgelebt haben.
Also: Da jeder seinen SL für den perfektesten tollsten besten 107er hält – nicht weil er das ist, sondern weil er ihn hat - könnten die Wege, die zur Grotte oder im Einzelfall zur Perle geführt haben, die Antwort auf die Frage liefern: Welcher ist der perfekte SL? Keine Frage, ich könnte jetzt schreiben meiner und ich hätte damit recht. Aber es sollen ja auch noch Eigner aus den hinteren Reihen zu Wort kommen.
Die ABC-Analyse soll in dem Zusammenhang die Motivation hinterfragen, die letztlich zum Kauf, zur Schenkung, zum Erbe oder zum Diebstahl des eigenen, mehr oder doch eher weniger perfekten SL geführt hat. Ganz nach dem Motto „Betroffene zu Beteiligten machen“ – vordergründig wirkt das äußerst sozialverträglich – möchte ich jeden kundigen und engagierten Sternzeit 107-Freund einladen, sich an der Gestaltung der Analyse zu beteiligen. Nur durch eine neutrale Herangehensweise wird es möglich sein, dass sich am Ende der perfekte SL aus 10704210 empirisch gewonnenen Daten herauskristallisiert. Mann darf gespannt sein. Frau auch.
Die Umfrage ist absolut anonym. Nicht weil das IT-technisch so abgesichert wäre, sondern weil es aus datenschutzrechtlichen Gründen so sein muss.
Ich habe mal ein paar Vorschläge hingeworfen, die aufzeigen sollen, wie der typische SL-Eigner zu seinem Traum-SL gekommen sein könnte (die meisten träumen ja heute noch davon, sie hätten einen Traumzustand unterm morschen Baumarkt-Carport).
Also, es geht los. Wo findest du dich wieder? Und bitte die Auswahl unbedingt ergänzen, denn diese kann in dieser frühen Konzeptphase nicht den Anspruch an Vollkommenheit erfüllen, wie diese die jeweils eigene Grotte oberflächlich zu erfüllen scheint.
Welcher SL-Typ bist du? Lies einfach, wo du dich wiederfindest und du weißt, zu welcher 107er-Fraktion du gehören möchtest. Sei zurückhaltend, bleib höflich und verhalte dich anständig, wenn du irgendwann irgendwo irgendwie dazugehören möchtest.
Typ A - A wie Ami:
Ich gehe gerne mit meinen spitzen Cowboystiefeln ins ungemachte Bett. Generell mag ich alles eine Nummer größer. Deshalb ist für mich ein 107er erst dann ein 107er, wenn ich mich zur Zigarettenpause mit meinem jedes Jahr breiter werdenden Hintern auf den Stoßfänger setzen kann. Mein Talent, ein Auto mit schalten und kuppeln zu bewegen, brachte meinen Fahrlehrer mehrfach zur Verzweiflung und den Fahrschulwagen für Wochen in die Werkstatt. Deshalb rechtfertige ich die Pflicht-Automatik mit dem Cruiser-Faktor. Damit spielt es dann auch keine Rolle mehr, dass vom an sich brauchbaren 380 SL dann in der US-Ausführung nichts mehr zu spüren ist. Bei der Innenausstattung bin ich in meiner Wahl flexibel und offen. Schließlich ist es unerheblich, welche Farbe Leder und Kunststoff hatten, bevor sie die kalifornische Sonne zerkrümelt hat. Für mich zählt eine rostfreie Karosserie mehr als die vier Kilo Spachtel unter dem blasigen Lack, der mir von der verbeulten Motorhaube über mein rissiges Cockpit entgegenblitzt.
Typ B - B wie Blinker:
Motorisierung, Getriebe, ob richtiger SL bis 09/85 oder danach, das hat für mich alles keine sonderliche Bedeutung. Am Herzen liegt mir dagegen die preiswerte Kopie meines Holzlenkrads Narri Glassico. Der Durchmesser passt perfekt, so dass ich beim lenken den Blinkerschalter mit ausgestrecktem kleinen Finger vollsynchron mit der Drehung des Lenkrads mitschleppen kann. Spießige Ankündigungsblinker, die vor einem Fahrstreifenwechsel die 21-Watt Lampen mindestens drei Mal bestromen, bezeichnen mich regelmäßig als Bestätigungsblinker. Ich fühle mich damit irgendwo zwischen beleidigt und geehrt. Zwar kann keiner der mich oft und plötzlich im Zentimeterabstand umkreisenden Verkehrsteilnehmer auf meine Intuitiv-Spontan-Fahrmanöver mehr reagieren, dennoch hält man mir zugute, dass ich mich von der jungen, komplett veräppelten Smartphonegeneration, bei denen die Blinkerschalterkontakte wegen Nichtgebrauch vollständig aboxidiert sind, merklich abhebe.
Typ C - C wie Coupédach:
Mir geht die schwachsinnige Diskussion um die begehrten Roadster und um den Preisverfall der Ersatzteilspender-Cabrios dermaßen auf den Economy-Zeiger, dass ich demonstrativ mein Coupédach aufgesetzt habe. Bei blöden Fragen rechtfertige ich dies gekonnt mit dem sachkundigen Verweis auf die geringere Verwindung der Karosserie. Insgeheim hoffe ich, dass die voll coolen Roadster-Typen durch meine Coleur-Verglasung nicht erspähen, dass mein geliebter SL ausgerechnet mit dieser blöden zweiten Sitzreihe ausgeliefert wurde.
Typ D - D wie DDR:
Ich bin im Osten aufgewachsen und habe von Kindesbeinen an den Umgang mit Mangelwirtschaft gelernt. Wir kannten keine Wegwerfgesellschaft, es wurde erhalten was da war. In Sachen Auto war ich seit jeher fit und hatte meine ölverschmierte Nase überall vorne dran. Ob Trabant, Framo, Schkodda oder die ausgelutschten Westwagen meines Patenonkels Gerry – ich war voll der Chef, wenn er mir alle paar Monate einen seiner abgewrackten angelsächsischen Schnellkomposter vor die schief hängende Haustür stellte. Er gab sich immer großherzig, mein Patenonkel. Dabei wusste ich doch, dass er seine „Geschenke“, wie das Schlitzohr die zumeist auf dem IFA-Abschleppwagen angelieferten Sorgenkinder nannte, im Westen nur gegen Bezahlung hätte entsorgen lassen können. Mein VEB-Gabel-Ringschlüsselsatz, den ich gegen den Cassettenrekorder meiner Schwester eingetauscht hatte, war bei keiner metrischen Schraube wirklich zu gebrauchen. So gesehen war es eine glückliche Fügung, dass diese an den gammeligen Zoll-Schrauben an den von Onkel Gerry übernommenen MK2-, MK7- und E-Type-Kapitalistenschaukeln halbwegs passten. Ich hatte genug von Martins abgetakeltem Aston und ich war fest entschlossen, meinen Erbonkel bei seinem nächsten Entsorgungsversuch mit der Maserati-Ratte zu überfahren. Doch dann kam die Wende und ich kaufte mein erstes wirkliches Auto. Den Mercedes habe ich heute noch, während sich mein in Ehren ergrauter Erbonkel unverbesserlich und zittrig am Volant seines klapprigen Volante festhält.
Typ E - E wie Extras:
Für mich gibt es nur einen perfekten SL und der hat Vollausstattung. Am geilsten finde ich meinen Reiserechner. Zwar fuhr ich in den letzten 15 Jahren nur knapp 300 km und das hätte ich unter Umständen auch ohne mein erotisierendes Hilfsinstrument geschafft, aber das ist für mich nicht die Frage. Es kommt mir nicht darauf an, dass ich am Stammtisch der einzige bin, der die störanfällige Flimmerkiste hat. Was zählt, ist dass die anderen den nicht haben, aber gerne hätten, weil er nicht zu haben ist. Mein SL muss mir Spaß machen und auf diese Weise klappt das.
Typ F - F wie Fähnleinschwenker:
Im R/C 107 SL-Club fühle ich mich wohl behütet und schätze die dort vorherrschende, unantastbare Sachkompetenz. Kritik, dass sich darunter Selbstdarsteller befänden, weise ich entschieden zurück. Dabei blicke ich über meine eingefallenen Schultern und vergewissere mich, ob ich dafür aus den Clubreihen Beifall ernte. Entgegen der etwas trägen Sternzeit 107-Fraktion haben im R/C 107 SL-Club die Gründerväter bereits Jahrzehnte vor den klugschwätzenden Dampfplauderern hier erkannt, dass es den W 107 einerseits als sportlichen Roadster sowie, als 180 Grad Gegenpol zu diesem, für Komfortverwöhnte familientauglich beispielsweise als ABS-gebremstes, klimatisiertes, automatisch schaltendes Teil- oder Vollholz-Cabriolet gibt. Deshalb, so denke ich, sind die beiden völlig unterschiedlichen Ausprägungen eines 107er SL mit R wie Roadster und C wie Cabriolet im Clubnamen R/C 107 SL-Club fest verankert. Toleranz beweist der R/C 107 SL-Club, indem dort auch Coupé-Eigner mit ihrem LWB-107er (Long Wheel Base, wie der Schwabe sagt) herzlich vereinnahmt werden. Die Bezeichnung Club erfreut mich sehr, passt diese doch zu meiner Mitgliedschaft im örtlichen Golf-Club ESS lokal (Elitär statt solitär), wodurch ich mich von der Vereinsmeierei meines Nachbarn Otto, eingebildeter Ersatzreserve-Vorstand im Dackelzüchterverein Rauhpelz, scharf abgrenze. Da ich mich an Fachdiskussionen nicht beteiligen will (_ ) / kann (_), schwenke ich stolz die Clubfahnen und erfreue mich daran, überall neidvolle Blicke auf mein radlaufchromgeschmücktes Cabriolet lenken zu können.
Findest du dich in einer dieser Spezialistengruppen wieder? Wenn nicht, dann bist du vielleicht ein
H, I, J, K, L, M, N, O, P oder Q-Tip?
Oder bist du etwa ein R-Typ?
Typ R - R wie Roadster-Typ:
Du bist ein Kerl aus altem Schrot und Korn. Du machst keinen großen Wind um dich. Du bist ein Roadster-Typ.
Wenn dein Freund Frilly dich fragt, ob du mit ihm einen Roadster kaufen gehst, fragst du nicht wann und wo. Du greifst das Bündel Scheine in deiner Hosentasche, spürst dass es reicht und sagst: Okay. Die 1070 km fährst du mit drei Tankstopps und neun Tassen Togo extra.
Dass der Roadster gut ist, hast du gespürt, nach zwei Minuten gekauft. Du brauchst kein Lackschichtdickenmessgerät. Du läufst einmal um die Kiste, bleibst am Tankdeckel stehen. Ein Blick aufs Blech, zwei nach innen, dann fasst du dem Roadster unter den Rock, reibst Daumen und Zeigefinger zwischen zwei Schweißpunkten. Radausschnitt perfekt, original Werks-Roadster. Metallventile. Passt.
Du setzt dir keine Brille auf und tust so, also ob du das Kleingedruckte im Kaufvertrag verstehen würdest. Für dich zählt das Wort. Ein Händedruck von dir und der andere spürt: Der ist echt. Ein Roadster-Typ.
Du fragst Frilly nicht, wann und wovon und wie er den Roadster bezahlen will. Du siehst den Glanz in seinen Augen und weißt, es passt. Noch in der Nacht zurück, es zieht dich heim. Chantal ist da. Du hast sie nie gefragt, wo sie herkommt. Du wirst sie nicht fragen, wie lange sie bleibt und wohin sie geht. Für dich zählt, dass sie da ist. Sie hat Frilly gefragt, warum du die deine Haustür nie abschließt. Damit keiner einbricht hat er gesagt.
Am anderen Morgen, Chantal schläft noch. Arnie hat angerufen, sein US-Import ist da. Er braucht ein paar Teile, will vorbeikommen. Okay. Dann Arnies Frage: Hast du noch den Vollchromstern? Es ist dein letzter. Du holst ihn von der Wand, weil du weißt, wenn Arnie fragt, dann braucht er ihn. Der Stern sollte deine Altersversorgung sein. Arnie fragt nicht, was du dafür haben willst. Arnie weiß, du bist ein Roadster-Typ.
Du verbringst den Tag mit Chantal. Du magst es, wenn der Fahrtwind ihre langen blonden Haare tanzen lässt. Heute sind Chantals Fingernägel schwarz. Wie deine. Der Nachmittag mit ihr am See hat ihr gut getan. Zuhause Kaffee und Zigaretten. Du bist ein Roadster-Typ. Der Tag war gut. Es ist kurz vor Mitternacht. Dein Telefon… du schaust nicht, wer anruft. Du überlegst nicht, ob du rangehst. Du weißt, dass es einen Grund gibt. Truwi ist dran, den Tränen nahe. "Was gibt’s?"
„Mein Motor… scheiße scheiße scheiße!“
Auf der Kaffeemaschine liegen seit Wochen die Gleitschienen für Truwis 420er, auf dem Kühlschrank der Kettenspanner. Du hast es ihr mehr als drei Mal gesagt. Aber das ist jetzt nicht wichtig. „Wo bist du? Frankreich?? Okay. Nimm dir ein Zimmer. Ich werde da sein, bevor du aufwachst." Frilly kommt mit, hat den Trailer an den Pickup angedockt. Währen du die Spanngurte einlädst, bringt Chantal eine Kühltasche und eine Kanne Kaffee. Sie fragt nicht, wann du zurück sein wirst. Sie weiß, du bist ein Roadster-Typ.
Ja, Freunde. Also so oder so ähnlich. Einfach realistisch bleiben bei euren Schilderungen, das ist sehr wichtig. Also denn… Welches ist der perfekte SL? Und was für ein Typ bist du?
Und immer schön sozialverträglich bleiben.
Winni
[ Diese Nachricht wurde bearbeitet von : Roadstolett am 15-12-2015 02:52 ][ Diese Nachricht wurde bearbeitet von : Roadstolett am 15-12-2015 03:03 ]
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
10 Jahre 9 Monate her #142619
von HGA
HGA antwortete auf Der perfekte SL
Gute Nacht!
Das Schreiben dieses Beitrags war wohl Therapie für den Autor zu nachtschlafender Zeit.
Das Lesen für mich am frühen Morgen war reine Zeitverschwendung.
Einen schönen Tag - trotzdem!
Hans Günter
Das Schreiben dieses Beitrags war wohl Therapie für den Autor zu nachtschlafender Zeit.
Das Lesen für mich am frühen Morgen war reine Zeitverschwendung.
Einen schönen Tag - trotzdem!
Hans Günter
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- Klaus280SLC
-
- Offline
- Senior
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 959
- Dank erhalten: 47
10 Jahre 9 Monate her #142620
von Klaus280SLC
Mercedes-Benz 280 SLC, original mit dem M110 Sex-Zylinder, EZ 18.02.1980, Automatik, DB 172 anthrazit, Velour 935 beige
Klaus280SLC antwortete auf Der perfekte SL
Den Roastolett haben wir dringend gebraucht hier, um Gottes Willen
Von dem krieg ich Kopfschmerzen, ich glaub der hat einfach nur einen gewaltigen Dachschaden (an seinem nichtvorhandenem 107)
Von dem krieg ich Kopfschmerzen, ich glaub der hat einfach nur einen gewaltigen Dachschaden (an seinem nichtvorhandenem 107)
Mercedes-Benz 280 SLC, original mit dem M110 Sex-Zylinder, EZ 18.02.1980, Automatik, DB 172 anthrazit, Velour 935 beige
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
10 Jahre 9 Monate her #142621
von Thomas450
Thomas450 antwortete auf Der perfekte SL
Ohne Rechtschreibfehler wäre der Text sogar etwas kürzer, jedoch nicht weniger beleidigend.
Bin mal im Keller.........das Niveau suchen.
Gruß Thomas
Bin mal im Keller.........das Niveau suchen.
Gruß Thomas
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
10 Jahre 9 Monate her #142622
von Gerlie
Gerlie antwortete auf Der perfekte SL
Roadskotelette, bitte sag deinem Betreuer er moechte dich hier abmelden. Der macht das fuer dich - nur Mut.
Gruss,
Norbert
Gruss,
Norbert
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
- schwobapfeil
- Offline
- Senior
-
Weniger
Mehr
- Beiträge: 373
- Dank erhalten: 5
10 Jahre 9 Monate her #142623
von schwobapfeil
Da wüsst ich noch einen...
Greetz, Carlo
Greetz
Carlo
schwobapfeil antwortete auf Der perfekte SL
On 2015-12-15 02:39, Roadstolett wrote:
...bis sich die beiden Dampfplauderer über weltpolitischen Themen, wie Mineral- oder Synthetik, ausgelebt haben.
Da wüsst ich noch einen...
Greetz, Carlo
Greetz
Carlo
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
Ladezeit der Seite: 0.130 Sekunden